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Wie Elektrofahrzeuge den Automotive Aftermarket transformieren


Elektrofahrzeuge wurden lange mit dem Versprechen positioniert, „weniger Wartung zu benötigen“. Diese Aussage ist technisch korrekt, aber unvollständig. Aus Sicht des Automotive Aftermarket geht es nicht primär um eine Reduzierung der Wartung, sondern um die Veränderung ihrer Natur.

Heute entwickelt sich die Branche von einem mechanisch geprägten Servicemodell hin zu einer Struktur, in der Software, Daten und Hochvoltsysteme im Zentrum stehen. Diese Transformation verändert nicht nur Serviceprozesse, sondern auch die Nachfrage nach Ersatzteilen, das Bestandsmanagement und letztlich ganze Geschäftsmodelle.


1. Die Teile-Struktur verändert sich grundlegend

Im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verfügen Elektrofahrzeuge über etwa 30 % weniger bewegliche Teile.

Auf den ersten Blick mag dies für den Aftermarket negativ erscheinen. Tatsächlich verschwindet die Nachfrage jedoch nicht – sie verlagert sich.

Zentrale Veränderungen:

  • Elektromotoren und Leistungselektronik ersetzen Motor und Getriebe

  • Batterie- und Thermomanagementsysteme ersetzen Abgas-, Öl- und Filtersysteme

  • Elektronische und softwarebasierte Fehler ersetzen mechanische Defekte

Infolgedessen sinkt das Volumen klassischer Komponenten, während der Anteil an hochwertigen und technisch anspruchsvollen Bauteilen steigt.


2. Die Batterieökonomie

Batterien sind zum zentralen Element des Aftermarkets für Elektrofahrzeuge geworden.

Studien zeigen, dass das Batteriesegment mit einer Rate von über 25 % wächst.

Dabei ist eine wichtige Differenzierung zu beachten:

  • Batterien sind langlebiger als ursprünglich erwartet (häufig bis zu 90 % Kapazität nach 100.000 km)

  • Dennoch stellt die Post-Garantie-Phase ein erhebliches Potenzial für den Aftermarket dar

Neue Geschäftsfelder:

  • Batteriediagnostik und Zustandsanalyse

  • Refurbishment-Prozesse

  • Second-Life-Anwendungen

  • Recyclinglösungen

Diese Entwicklungen führen zu einem deutlich komplexeren und datengetriebenen Aftermarket, der weit über das klassische Ersatzteilgeschäft hinausgeht.


3. Weniger Wartung, aber kritischere Eingriffe

Es ist korrekt, dass Elektrofahrzeuge weniger Wartung benötigen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Servicebedarf entfällt.

Die Realität ist:

  • Weniger Ausfälle → geringere Frequenz

  • Im Fehlerfall → höherer Qualifikationsbedarf und höhere Kosten

Beispiele:

  • Rekuperatives Bremsen reduziert den Verschleiß der Bremsen

  • Gleichzeitig führt das höhere Fahrzeuggewicht zu stärkerem Reifenverschleiß

  • Batterie- und Hochvoltsysteme erfordern spezielle Ausrüstung und qualifiziertes Personal

Daraus ergibt sich im Aftermarket:

Die Anzahl der Servicefälle kann sinken, der Wert pro Servicefall steigt jedoch.


4. Ein neues Servicemodell: Software, Daten und Remote-Services

Elektrofahrzeuge entwickeln sich zunehmend zu mobilen Softwareplattformen.

In diesem Kontext gewinnen folgende Bereiche im Aftermarket an Bedeutung:

  • Remote-Diagnose

  • Over-the-Air (OTA) Software-Updates

  • Predictive Maintenance

Durch den Einsatz von Telematik und Datenanalytik wandeln sich Wartungsprozesse von reaktiv zu proaktiv.

Dies erhöht die Relevanz von:

  • ERP-Systemen

  • PIM- und MDM-Lösungen

  • Datenqualitätsmanagement

Diese Systeme werden zu zentralen Bausteinen moderner Aftermarket-Operationen.


5. Neue Marktteilnehmer und veränderte Wettbewerbsdynamik

Elektrofahrzeuge verändern nicht nur Technologien, sondern auch Wettbewerbsstrukturen.

Zentrale Entwicklungen:

  • OEMs gewinnen mehr Kontrolle über Serviceprozesse

  • Technische Eintrittsbarrieren für unabhängige Werkstätten steigen

  • Ladeinfrastruktur- und Energieunternehmen werden Teil des Aftermarket-Ökosystems

Parallel dazu wächst der Markt dynamisch, wobei für den EV-Aftermarket in den kommenden Jahren zweistellige Wachstumsraten erwartet werden.

Dieses Wachstum schafft Chancen für neue Marktteilnehmer, erhöht jedoch zugleich den Wettbewerbsdruck für Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig anpassen.


Der Aftermarket schrumpft nicht – er entwickelt sich weiter

Elektrofahrzeuge verkleinern den Automotive Aftermarket nicht. Sie transformieren ihn in ein technisch anspruchsvolleres, datengetriebenes und wissensintensiveres Ökosystem.

Zusammengefasst:

  • Die Anzahl der Teile sinkt, ihr Wert steigt

  • Mechanisches Know-how wird durch Elektronik- und Softwarekompetenz ersetzt

  • Serviceprozesse werden zunehmend digitalisiert

  • Daten werden zum zentralen Wettbewerbsvorteil

In diesem neuen Umfeld werden jene Unternehmen erfolgreich sein, die nicht nur Produkte anbieten, sondern auch qualitativ hochwertige Daten, nahtlose Integration und fortschrittliche Servicemodelle bereitstellen können.

 
 
 

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